Geretsrieder Helferkreis gibt Orientierung – Artikel im Merkur

Artikel von Susanne Weiß 31.08.2017 (www.Artikel im Merkur.de)

Flüchtlinge kommen aus Kriegsgebieten in ein ihnen völlig unbekanntes Land, dessen Sprache sie nicht verstehen. In dieser schweren Situation gibt der Helferkreis Geretsried Orientierung. Es werden laufend Ehrenamtliche gesucht.

Geretsried –Für Brigitte Platiel ist es keine Frage. „Wir sollten immer auf den Nächsten schauen“, sagt sie. Die 70 Jahre alte Wolfratshauserin engagiert sich im Geretsrieder Helferkreis. Sie unterstützt seit Januar 2015 eine kurdische Familie, die vor drei Jahren aus Aleppo über Bulgarien nach Deutschland gekommen ist. „Ich stärke und begleite sie“, sagt Platiel.

Engagement der Freiwilligen ist vielseitig

Solche Menschen wie Brigitte Platiel sucht Suzan Jarrar. Sie ist Asylkoordinatorin der Stadt und Ansprechpartnerin für den Helferkreis. 112 Ehrenamtliche stehen auf ihrer Liste, wobei es noch viele weitere Männer und Frauen gebe, die einzelne Familien betreuen, aber nicht im Helferkreis eingetragen sind.

Das Engagement der Freiwilligen ist vielseitig. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seine Hilfe anzubieten“, sagt Jarrar. Manche Ehrenamtliche gehen einfach in die Unterkünfte, um mit den Flüchtlingen zu sprechen. Eine Frau betreut Schwangere und begleitet sie zur Geburt ins Krankenhaus. Oft gibt es konkrete Hilfsanfragen, die im Helferkreis herumgeschickt werden.

70 Jahre Friede: „Nie vergessen, was das für ein Geschenk ist“

Auch wenn schon viele Menschen in der Einrichtung aktiv sind, sucht Jarrar dringen Engagierte, die eine Eins-zu-eins-Betreuung wie Brigitte Platiel übernehmen. „Es wäre aber auch schön, wenn jemand Projekte durchführt“, sagt die Asylkoordinatorin. Ein Mann trainiere etwa mit einigen Buben Fußball. Auch Unterstützung bei Job- oder Wohnungssuche wäre gefragt. Und die Kleiderkammer ist ebenfalls dringend auf der Suche nach Helfern.

Derzeit sind 325 Flüchtlinge in Geretsried untergebracht. 244 sind Asylbewerber, die übrigen Menschen sind sogenannte Fehlbeleger. Der größte Teil lebt in Geretsried in den drei Asylbewerberunterkünften. Der Helferkreis benennt sie nach der Abkürzung ABU1 (Robert-Schumann-Weg), ABU2 (Blumenstraße) und ABU3 (Jahnstraße). „ABU“ bedeutet im Arabischen so viel wie „Vater von“. 77 Männer und Frauen sind dezentral untergebracht, leben also in Wohnungen. Die ABU3 am Schulzentrum wird wie berichtet von der Regierung von Oberbayern betrieben. Die 250 Plätze sollen demnächst voll belegt werden. Aktuell leben knapp 150 Flüchlinge in der Unterkunft.

Wer sich am Helferkreis beteiligen oder sich über die Asylsituation informieren möchte, kann sich bei Suzan Jarrar, Ruf 08171/6298191, melden. Brigitte Platiel macht die Arbeit viel Freude: „Wir leben seit 70 Jahren in Frieden und sollten nie vergessen, was das für ein Geschenk ist.“

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