Gedicht einer Gymnasiastin zum Thema „Asyl“

Gedicht von Lisa Napiletzki

 

Gedanken zum Thema „Asyl“ von Lisa Napiletzki, Abiturientin des Gymnasiums Geretsried, 18 Jahre Sie stehen in der untergehenden Sonne. Warten auf die nächste fallende Bombe oder auch einfach nur auf ein Stück Freiheit. * Gehen Sie noch ohne Pfefferspray auf die Straße? Ich nicht, und ich habe auch schon eine Pistole zuhause denn man weiß ja nie, was da so kommt aus irgendeinem fremden Land wo man keine Sitten, keinen Anstand kennt und Frauen nur die Lustobjekte ihrer Männer sind, wo statt Recht und Ordnung religiöser Wahn den Alltag bestimmt – ausgelegt so, wie es gerade passt. * Sie stehen im Regen. Warum spannen sie sich nicht selbst einen Schirm auf? * Ich wage nicht zu schreiben über den Fluch der Flucht und den Wunsch zu bleiben nicht über den Schmerz, zu gehen und zurückzulassen nicht nur Menschen und Sachen und Orte sondern vielleicht auch ein Stück von mir selbst denn dort muss ich eine Andere sein. Aber ich musste nicht fliehen. Und doch, weil nicht die Mauern, nicht die Meter und Kilometer zählen, und nicht die Straßen und nicht die Wellen, die zwischen uns liegen, sondern nur die Gedanken, die sich – nein, die wir – zwischen uns schieben und die viel weniger wanken als bewaffnete Mauern und bewachte Schranken. Und weil integrieren nicht bloß anpassen heißt, sondern leben – und zwar nicht nur mit Deutschen, sondern mit jedem – auch wenn der auf der falschen Seite des Zaunes geboren wurde und deshalb verloren hat im Spiel um ein Leben in menschlicher Würde. …………………………………………………………………………………………………… Jedenfalls, wenn wir Menschen töten die Menschen töten und leider zufällig aus Versehen gleichzeitig auch Menschen töten die keine Menschen töten oder wenn wir mit geschlossenen Augen oder heimlichem Blinseln oder selbstbewusst – nein, selbstverliebt – mit offenen Augen Schokolade aufs Brot und Bohnen und Kiwis und Zitronen und Boyfriend-Jeans im Extraused-look kaufen – dann ist es doch verständlich, wenn wir uns wehren dagegen, dass die, die uns den ganzen Luxus bescheren ihren angestammten Arbeitsplatz aus Unmut verlassen und sich nun als Wirtschaftsflüchtlinge von uns durchfüttern lassen?! Überhaupt: Wirtschaft – oder wir schaffen das?! Immer öfter denke ich, naja, wir lassen das besser mal, denn wenn die deutschen Qualitätswaffen wegfallen kann man nur noch zweitklassig morden – und wo bleibt denn dann der ganze Spaß? * Oder aber wir können es wagen statt den Menschen vor der Nase die Tür zuzuschlagen ihrer Würde die Rechnung zu tragen und sie zu uns einzuladen als Gäste – oder Menschen die bleiben. Je öfter ein Weg zurückgelegt wird, desto leichter lässt es sich gehen und ankommen in einem anderen Regen unter derselben Sonne.

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